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Geschichte der Kreuzfahrt bis 2006

Die Anfänge der Kreuzfahrt sind auf das Jahr 1844 zurückzuführen. Reisen wurden zunächst mit unterschiedlichen Schiffen für einzelne Fahrtrouten unternommen. Im Jahr 1862 bot das Reiseunternehmen Thomas Cook eine organisierte Weltreise per Schiff an, auf der verschiedene Schiffe und sogar die Eisenbahn als Transportmittel eingesetzt wurden. Circa 30 Jahre später erhielt der Gedanke der „Lustreisen zur See“ auch in Deutschland Einkehr, initiiert durch Albert Ballin, dem damaligen Generaldirektor der HAPAG. Ballin schickte die in den Wintermonaten nicht genutzten Linienschiffe der Nordatlantikrouten auf Exkursionsreisen ins Mittelmeer. Das erste für die Kreuzschifffahrt umfunktionierte Linienschiff war der Schnelldampfer „Auguste Victoria“ die von Hamburg aus ins Mittelmeer fuhr. Diese Reisen erfreuten sich großer Beliebtheit und führten aufgrund der steigenden Nachfrage zu einer Weiterentwicklung der Kreuzfahrtbranche. Bereits im Jahr 1899 wurde ein eigens für die Kreuzfahrt konzipiertes Schiff bei der Hamburger Werft Blohm + Voss gefertigt. Die „Prinzessin Victoria Luise“ bot 192 First – Class Seereisenden Platz. In kürzester Zeit folgten weitere Neubauten, darunter auch speziell für die damalige Mittelschicht und das Großbürgertum ins Programm genommene Kreuzfahrtschiffe. Das Reisen auf See wurde populärer.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste sich die Kreuzschifffahrt einem Neubeginn widmen, und blieb ein vorzugsweise elitäres Vergnügen. Erst 1929 war aufgrund von Vergünstigungen eine Kreuzfahrt auch für die breitere Bevölkerungsschicht zugängig. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Kreuzfahrtschiffe als Truppenschiffe oder Lazarettschiffe eingesetzt und dienten nach Kriegsende als Transportmittel für Exilanten, die aus dem zerstörten Europa flüchteten.
 
Bereits Ende der 50er Jahre war abzusehen, dass die Linienschifffahrt den Wettbewerb um Passagiere mit dem Flugzeug verlieren wird. Doch mit dem wachsenden Wohlstand der Gesellschaft und der zunehmenden Freizeit waren die 60er eine Blütezeit für die Kreuzfahrtindustrie. Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden vermehrt „echte“ Kreuzfahrtschiffe für Kreuzfahrten anstatt für Liniendienste eingesetzt. Ein regelrechter internationaler Bauboom begann erst 1980. Die Auftragsvergabe der Reedereien verlief dabei meist in Form von Serienbestellungen, vorzugsweise bei europäischen Werften. Auch deutsche Schiffbauer konnten aufgrund von Innovation, Zuverlässigkeit und pünktlicher Ablieferung überzeugen. Leider fürchtete die Kreuzfahrtindustrie in den Jahren 1998 bis 2003 eine Überkapazität der bis dahin in Fahrt gebrachten Schiffe, und es kam zum Stillstand von Neubestellungen. Die fertig gestellten Schiffe mussten erst einmal etabliert werden. Die weltweite Einführung der Schiffe auf dem Kreuzfahrtmarkt verlief positiv, so dass die Reedereien weitere Kreuzfahrtschiffe in Europa in Auftrag geben konnten, so dass die Werften mittlerweile mit der Konzipierung der aktuellen Generation der superlativen Kreuzfahrtschiffe bis zum Jahr 2008 ausgelastet sind.
 
In den letzten 15 Jahren expandierte die europäische Kreuzfahrtindustrie kontinuierlich, seit 2001 mit einer jährlichen Wachstumsrate von über 10 Prozent. Allein im Jahre 2004 buchten mehr als 2,8 Millionen Europäer eine Kreuzfahrt in Nordamerika waren es 9,8 Millionen Kreuzfahrtpassagiere. Nicht nur der europäische Passagiermarkt ist ein dynamisch wachsender Markt, auch die europäischen Gewässer sind zurzeit die Kreuzfahrtregionen mit der dynamischsten Entwicklung: 70 Prozent der Kreuzfahrten führten zu europäischen Destinationen. Experten erwarten für die kommenden zehn Jahre eine Verdoppelung der Kreuzfahrtanläufe in europäischen Häfen.
 
Diese rasante Entwicklung auf dem Kreuzfahrtmarkt ist zum einen bedingt durch die immer größer werdenden Kreuzfahrtschiffe, deren Passagierkapazität sich in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent erhöht hat und zum anderen durch die Erweiterung der Zielgruppen: Sowohl das Durchschnittseinkommen der Passagiere an Bord verringert sich, als auch das Durchschnittsalter. Neben einer Vielfalt von unterschiedlichen Kreuzfahrtschiffen, existieren eine variationsreiche Auswahl von Fahrtrouten sowie viele Themenreisen, wie z. B. Golf - oder Wellnesskreuzfahrten, Expeditionskreuzfahrten, Studienkreuzfahrten und Lesereisen. Im Jahr 2005 traten bereits deutlich mehr als 13 Millionen Menschen weltweit eine Kreuzfahrt an, ein bis dahin nie erreichtes Passagiervolumen. Bis 2015 wird ein Wachstum auf rund 20 Millionen Kreuzfahrer weltweit im Jahr erwartet. Auch die deutschen Häfen werden von diesem internationalen Boom profitieren. So sind für 2006 insgesamt 530 Kreuzfahrtanläufe in deutschen Häfen geplant. Gemäß William Gibbons, Marketingdirektor des European Cruise Council, werden für das Jahr 2010 eine Million Buchungen allein auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt erwartet.

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4. September 2010 - 10:50
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